Verbos Electronics Complex Oscillator ist ein Oszillator-Modul für Modulare Synthesizer im Eurorack-Format. Das Modul besteht aus einem Hauptoszillator samt spannungssteuerbaren Waveshaper und einem Modulations-Oszillator der für FM und AM genutzt werden kann. Der Modulations-Oszillator bietet über separate Ausgänge gleichzeitig die Wellenformen Dreieck, Rechteck und Sägezahn. Die Modulationsstärke wird über einen invertierbaren Abschwächer am CV Eingang eingestellt.
Der klassische Ansatz in der West Coast Synthesephilosophie zur Erzeugung reichhaltiger Obertöne ist die Nutzung eines Oszillators, der durch einen weiteren Oszillator moduliert wird. Steuerspannungskontrolle der Modulation und der Wellenform durch alle nur erdenklichen CV-Quellen sind hierbei von essentialer Bedeutung für die Entfaltung des Klangs.
Der Haupt-Oszillator besitzt separate, gleichzeitig verfügbare Ausgänge für die Wellenformen Dreieck, Rechteck und Sinus. Der Hauptausgang kann von Sinus zu Rechteck zu Sägezahn zu gefaltetem Sinus per Steuerspannung und invertierbaren Abschwächern an allen CV-Eingängen des Waveshapers überblendet werden. Der Kern der Oszillatoren basiert auf einer Dreieckswellenform mit diskreten Exponentiatoren in Transistortechnik. Haupt- und Modulationsoszillator besitzen Eingänge für lineare und exponentielle FM sowie einen Volt/Oktave Eingang.
Der Complex Oscillator hat mich schon lange fasziniert, aber ich war nicht sicher, ob er nebst einem "dichten" Sound auch präzise genug ist, mehr als nur Effektsounds zu generieren. Nun habe ich der Neugier nachgegeben und bin äußerst positiv überrascht.
Zunächst einmal die Dinge, für welche die wenigsten nach diesem Oscillator schauen:
- Tuning/Stabilität: Schon ohne Aufwärmzeit ist der Oszillator sehr stimmfest, das freute mich besonders
- Tracking: Der Oszillator soll etwa 3 Oktaven tracken, und das tut er in meinem Fall ab Werk sauber und bekommt auch mit geringer Deviation noch die vierte Oktave ganz gut hin
- PSU-Verträglichkeit: Ich nutzte sowohl einen 4ms Pod zum ersten Testen, als auch dann dauerhaft ein Konstant Lab Hammer PWR, demnach kein Original Verbos-Case und hatte die oben beschriebenen stabilen, sauberen Resultate
Soviel zum "Baselevel" der Bewertung. Nun zu den Features oder viel eher der Art, in welcher sie umgesetzt sind:
Der CO besteht nicht aus zwei identischen Oszillatoren, sondern einem Hauptoszillator (hier mal bequemlichst als Tongeber identifiziert) und einem Modulationsoszillator. Während der Tongeber bipolar eine weite Frequenzrange abdeckt, ist der Modulationsoszillator unipolar positiv und deckt einen wesentlich kompakteren Bereich von LFO bis zu bassiger Audiorate ab. Statt also zwei Oszillatoren mit schier unendlich weitem Spektrum zusammenzuschalten, wurde für die Modulation ein fein abgestimmterer Bereich gewählt. Das mag einerseits eine Limitation sein, andererseits ermöglicht es aber eine wesentlich angenehmere Feineinstellung von FM und AM-Modulationsverhältnissen, welche - zumindest meiner Wahrnehmung nach - sehr gelungen den Sweetspot abdeckt und dem Modul einen einheitlichen Klangcharakter vermittelt.
Die meisten Features sind intern durch Kippschalter umsetzbar und gleichzeitig direkt durch CV-Eingänge. Hier bilden sowohl AM (also kein "frei nutzbarer VCA") als auch Sync die Ausnahme auf Seiten der CV-Verfügbarkeit. Das ist zwar etwas weniger vielseitig, hat mich aber offen gestanden nicht gestört. Auch ist der Sync ein Softsync, kein Hardsync. Wie immer gibt Verbos für all diese CV-Eingänge auch teilweise Attenuatoren und teilweise Attenuverter an die Hand, welche nicht mit winzigen Stiftpotis, sondern ordentlichen Drehreglern ausgestattet sind und so für Feineinstellungen der Modulationsintensität sehr zuträglich sind.
Ich vermute, dass durch die weitestgehend diskrete, transistorbasierte Bauweise das charakteristische "Fizzeln/wollige Fusseln" bei allen Wellenformen unter dem Oszilloskop und auch im Ohr immer etwas geschwollener klingt, als das bei diversen anderen vergleichbaren Oszillatoren der Fall ist. Persönlich finde ich das in Kombination mit der guten Stimmstabilität und dem Tracking ziemlich ansprechend und gerade Filter reagieren gut mit diesem Fundament.
Apropos Filter: Hier wird ja vermehrt der Klang additiv durch FM/AM aufgebaut, zuletzt am Master-Ausgang dann auch über den eingebauten Waveshaper mit Even/Odd- sowie Low/Hi-Akzentuierung. Die hierbei aus der Grundlage eines Sinus entstehenden Wellenformen und deren klangliche Breite haben mich besonders gut abgeholt.
Mit genügend CV-Quellen bis 10V Spitzenauslenkung konnte ich den CO sehr interessant animieren und sowohl Percussive, als auch alles von Bass bis in "Ultrasound"-Höhen gepitchte Klänge sowie Drones erzeugen, in denen viel Leben steckt - und das eben nicht unfreiwillig, sondern auf Wunsch.
Zuvor hatte ich Oszillatoren mit Thru-Zero-FM und tendenziell breiterer Palette an Möglichkeiten zur Hand, jedoch ziehe ich diesen den Complex Oscillator klar vor. Zwar ist er limitierter, aber fühlt sich besonders gut durchdacht und mit Musikalität im Hinterkopf abgestimmt an. Was er können soll, kann er richtig gut.
Fazit: Es ist bei weitem kein kostengünstiger Oszillator, wer aber das Geld hierfür in die Hand nehmen kann und will, sollte viel Freude daran
The only criticism I have of this super-fine osciallor is that it would massively benefit from a patchbook, along the lines of the ones for Maths, Rubicon and PTG. The "manual" that it comes with is disappointingly brief for a module this deep, and actually misleading on a couple of points. I tried using the manual to come up with a simple ADSR envelope, but it didn't work as described. The key is plugging the gate out for the stage AFTER the Strobe input to get the envelope to reset. The manual's method (of multing Start into Strobe*) doesn't work because Strobe will trigger on both the start and end of the gate, meaning that it will run through the envelope again on release.
Once I got that working, I was able to patch up all sorts of complex envelopes by putting more stages into the A, D or R phases, from holds and subtle shape variations to flam, mock-echo and wub effects.